Idee Information (2009-05-12)
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Information
-in-(Thema)Diplom


Die Entwicklung der Rechnertechnik, im simpelsten artikuliert
durch das 'Gesetz von Moore', macht eine Diskussion über Qualität
und Persistenz von Information notwendig. Zum einen ist eine große
Sorge vor der langfristigen Archivierbarkeit, die allerdings auch
schon in der Diskussion mündet. Eine Hauptfrage ist: 'Wird jetzt
abgelegte Information die Rennovation der Datenformate/medien
überleben?'; diese soll hier jedoch nicht interessieren.
 
Ich möchte stattdessen ein anderes Problem zur Diskussion stellen.
Zumeist betrachtet man nur einen Weg der Information, wenn man
sich mit deren Erhalt beschäftigt: Der Einlagerung.
 
display{Senderflow{Information}Speicher}
 
Die oben übersprungene Debatte deutet jedoch an, dass die
*Entnahme* auch von Interesse ist. Das Speicher-Modell ist ohne
Entnahme sinnlos: Nie entnommene Information hat den selben Wert
wie nie eingelagerte, und damit keine, also keinen. Faktisch
besteht in einem Modell die einfachste Art der
Informationsübertragung also aus einem Sender und Empfänger:
 
display{Senderflow{I}Empfänger}
 
Mit einer Einlagerung, oder Verteilung sieht das so aus:
 
display{Senderflow{I}Lageretz:'Medium'flow{I}Empfänger}
 
Wenn man die Informationsflüsse nun quantitativ beschreibt, erhält
man die Möglichkeit, verschiedene Modi zu klassifizieren:
 
begin{enumerate}
item Monolog: Ein gerichteter Informationsfluss.
item Dialog: Zwei entgegengerichtete direkte Informationsflüsse etwa gleicher Quantität.
item Massenmedium: Ein dünner Informationsfluss des
Senders wird vervielfacht im Medium zu vielen Flüssen seiner
Empfänger.
item Abstimmung: Die Informationsflüsse vieler Sender
werden zu einer Information verarbeitet ('Statistik'). Einige
Abstimmungen gelangen dann in die 'Massenmedien', andere nur an
einzelne Empfänger.
end{enumerate}
 
Einige Beispiele:
begin{enumerate}
item Moralpredigt der Mutter: Monolog.
item Gespräch mit
der Mutter: Dialog.
item Vorlesung: Mehr Massenmedium als Monolog.
item Fernsehen, Zeitschriften, Bücher: Massenmedium.
item Die Bundestagswahl: Abstimmung mit Massenmedium
item Eine Produkt-Marktstudie: Abstimmung.
end{enumerate}
 
Nachdem Qualitäten durch Quantitäten benannt worden sind, möchte
ich ein Auge auf moderne Medien werfen: Web-Foren, Blogs,
Web-Sammlungen (Foto-, Text- und sonstige) und private Netzseiten
allgemein. Es wird oft die mediendemokratisierende Wirkung dieser
Medien festgestellt. Diese basiert u.A. auf der niedrigen
finanziellen, technischen und Zeitaufwands-Schwelle sowie der
Psychologie der hohen scheinbaren Anonymität. Dies erlaubt nun ein
neues Modell, in dem wir eine ganzes Forum betrachten: Viele
Sender erzeugen viele Informationsflüsse, die über das Medium an
viele Empfänger verteilt werden. Ich nenne dies im folgenden
Multimedium. Jedes Massenmedium hat einen Vervielfältigungsfaktor,
einfacher gesagt Auflage oder Einschaltquote, das Multimedium hat
einen Flussfaktor: Die Medienobjekte eines Senders haben jeweils
einen Vervielfältigungsfaktor, jedoch einen meist erheblich
kleineren als die Mitgliedschaft am Multimedium an sich. Ein
Flussfaktor von 1 entspräche einem Leser pro Beitrag im Schnitt,
der totale Flußfaktor ist der, bei dem jeder Beitrag den vollen
Vervielfältigungsfaktor, also die gesamten Teilnehmer erreicht.
Dazu eine Rechnung: Ein Multimedium mit gleichberechtigt
Sender- und Empfänger-Teilnehmern, die je einen Artikel
veröffentlichen, hat bereits Empfänger-Flüsse (jeder
Teilnehmer liest jeden Artikel). Einige Internet-Foren haben nun
aktive Mitgliederzahlen die in die Abertausende gehen, und diese
Teilnehmer tragen unter Umständen täglich oder häufiger bei. Ein
Beispiel:
begin{ex}[FC]
Die Fotocommunityfootnote{www.fotocommunity.de} (FC) hat
230.000footnote{Stand: Dezember 2005} "registrierte Benutzer",
die wöchentlich ein Foto mit Begleittext veröffentlichen können.
Ein Teil der Benutzer besitzt eine kostenpflichtige
Mitgliedsschaft, die eine tägliche Veröfffentlichung erlaubt.
Insgesamt kommt die FC damit auf derzeit etwa 4000
Veröffentlichungen am Tag.
 
Würde jeder Teilnehmer alle Fotos ansehen wollen, müßte er 4000 am
Tag betrachten, und alle Teilnehmer müssten 920.000.000
Betrachtungen am Tag durchführen.
 
Würden vereinfacht alle Teilnehmer das unbezahlte Angebot voll
wahrnehmen, so wären dies 32857 Betrachtungen pro Person
respektive 7.557.142.857 insgesamt!
 
Wenn wir nun die FC-verwendete Einteilung in 'Kategorien'
(thematisch) und 'Gallerie' (qualitativ) berücksichtigen, kann der
Informationswertgewinn für den Empfänger trotz geringer Entnahme
überdurchschnittlich (also mehr als der Anzahl der angesehenen
Bilder entsprechend) sein. Diese Klassifizierungen sind natürlich
schwach, und somit nur eine teilweiser Ausgleich.
 
Schlussendlich: Der FC-Nutzer wird also einen Großteil der übermittelten Information nicht erhalten!
end{ex}
 
Das FC-Beispiel legt die Frage nahe, wieviel Information überhaupt
übermittelt werden kann, wenn auch das Empfangen berücksichtigt
wird. Im Beispiel wird noch mehr konsumiert, als beigetragen,
jedoch schon sehr 'knapp'; viel Information findet nicht mehr
ihren Empfänger.
 
Das führt zur Frage, was passiert, wenn der Zielfluss irgendwann
mal so klein ist, dass Teile des Quellflusses nicht mehr drin
vorkommen, oder gar der Zielfluss kleiner als der Quellfluss ist,
was eben genannte Situation nach sich zieht. Dann wird Information
im System versickern, sie wird gespeichert oder verteilt, aber
kommt bei keinem Empfänger an. Wenn wir im Nachenein schauen
könnten, also einen Zeitpunkt jenseits aller das System
betreffenden, so könnten wir dann sicher feststellen, welche
Informationen nie empfangen wurden. Diese hätten dann auch nie
eingespeist werden müssen, und haben also im Endeffekt nie
existiert: Sie sind verloren gegangen.
 
Wenn man sich jetzt noch mal einen Rückblick auf die eingänglich
umgangene Frage der Archivierung bezieht, und bedenkt, welche
gesellschaftlichen Alpträume dort im Spiel sind, ist es
fahrlässig, den hier angesprochenen Weg des Informationsuntergangs
zu vernachlässigen.




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